Hans-Bernd Steffens

(Englische Version / english version)

Paris, Frankreich

Kennen Sie das Buch „Kunst aufräumen“? – Das, wo jeder Bestandteil eines Bildes fein säuberlich nebeneinandergelegt wird, und am Ende ein weißes Blatt (ehemals Bild) und eine Anordnung der Bildelemente übrigbleibt?

Manchmal wäre man geneigt, dieses Prinzip auf die Photographien von Hans-Bernd Steffens anzuwenden. Wenn man dies versucht, merkt man jedoch schnell, dass dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist: man braucht nur ein Element aus seinen Bildern herauszulösen, und schon ist das ganze Bild „weg“.

Was Hans-Bernd Steffens zeigt, ist das alltägliche Chaos. Was er nicht zeigt ist Unordnung, denn Chaos ist die komplexeste Ordnung, die, wo jeder auch noch so kleine Bestandteil wesentlich für das Gesamte ist. Und so zieht Hans-Bernd Steffens mit seiner Kamera los, betrachtet Städte wie Wohnungen und Unrat wie die Hinterlassenschaft der letzten Feier. Doch statt die leeren Weinflaschen und die Chips-Tüten wegzuwerfen, und Tische, Stühle und Sessel wieder dorthin zu räumen, wo sie vor der Feier standen, bringt er mit seiner Kamera Ordnung und Struktur in sein „Stadtmobiliar“. Seine Bilder sind durchkomponiert bis zum „geht nicht mehr“ (aber eben auch bis zum „geht nicht weniger“) und sehen dabei doch immer so einfach, so zufällig aus. Ganz so wie bei einem Seiltänzer: Wenn der Zuschauer/Betrachter sieht welche Arbeit dahintersteckt, dann ist etwas schief gelaufen. Aber nicht nur hinter dem Bild steckt Arbeit, sondern auch „davor“; seine Photographien entziehen sich einer schnellen Deutung, der Betrachter muss sie sich erarbeiten, das kann zuweilen dauern. Diese Arbeit lohn allemal.

Hans-Bernd Steffens
Hans-Bern Steffens
English Version

Hans-Bernd Steffens:

 

Do you know the book “tidying up art”? – The one, where every element of a picture is put side by side until a white paper (the former picture) and an arrangement of the element remains.

One could tend to apply this principle to the photography of Hans-Bernd Steffens. By trying one realises quickly, that the plan is doomed to failure: liberating one element out of his picture and the whole picture is “gone”.

Hans-Bernd Steffens shows the everyday chaos. He does not show disorder, because chaos is the most complex order, the one where every element how small it may be, is substantial for the whole. So, Hans-Bernd Steffens strikes out with his camera, observes Cities like apartments, and garbage as legacy of the last celebration. But instead of throwing away the empty bottles of wine and the bags of crisps, and moving tables, chairs, and armchairs back to the place where they stood before, he uses his camera giving an order and structure to the “city’s furniture”. His pictures are well composed up to the limit (no more to be done but also not less to be done), still look simple and random. Just as a tightrope walker: The spectator or observer should not see the work behind it. But the work is not only behind the picture, but also “in front”; his photography evades from a quick interpretation, the spectator has developed it for himself, this may take some time, but this work is worth the while.

(Deutsche Version / german version)